Ein deutscher Reisepass, teilweise in Aluminiumfolie eingewickelt, liegt auf einem Koffer in einer modernen Flughafenhalle und symbolisiert den Schutz vor unbefugtem RFID-Datenzugriff.

Reisepass in Alufolie, Cleverer Schutz oder unnötiger Reise-Hack?

July 28, 20264 min read

Reisepass in Alufolie – Sinnvoller Schutz oder unnötiger Reise-Hack?

Warum immer mehr Reisende ihren Reisepass in Aluminiumfolie wickeln

Wer in den letzten Wochen durch soziale Medien oder Reiseforen gestöbert hat, ist vielleicht auf einen ungewöhnlichen Trend gestoßen: Immer mehr Vielflieger wickeln ihren Reisepass in Aluminiumfolie. Was zunächst kurios klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Viele Reisende möchten ihre persönlichen Daten vor einem möglichen digitalen Diebstahl schützen.

Doch wie groß ist die tatsächliche Gefahr? Ist Aluminiumfolie wirklich ein wirksamer Schutz oder handelt es sich eher um einen übertriebenen Reise-Hack? Wir erklären, was dahinter steckt und worauf Sie vor Ihrer nächsten Reise achten sollten.

Warum moderne Reisepässe einen RFID-Chip besitzen

Seit vielen Jahren verfügen moderne biometrische Reisepässe über einen integrierten RFID-Chip (Radio Frequency Identification). Dieser Chip ermöglicht eine schnelle und sichere Identitätsprüfung an Grenzkontrollen und automatischen Passkontrollen.

Gespeichert werden unter anderem:

  • Persönliche Daten des Passinhabers

  • Das digitale Passfoto

  • Je nach Ausstellungsland zusätzliche biometrische Informationen wie Fingerabdrücke

Gerade an internationalen Flughäfen sorgen diese elektronischen Reisepässe für schnellere Kontrollen und kürzere Wartezeiten.

Wo liegt das Sicherheitsrisiko?

Immer wieder wird diskutiert, ob Kriminelle die auf dem RFID-Chip gespeicherten Daten heimlich auslesen könnten. Theoretisch wäre dies mit speziellen Lesegeräten aus kurzer Entfernung denkbar.

Aus diesem Grund sorgen sich manche Reisende um ihre digitale Privatsphäre. Besonders Vielflieger setzen deshalb auf eine einfache Lösung: Sie umwickeln ihren Reisepass mit Aluminiumfolie.

Der Gedanke dahinter ist simpel: Aluminium blockiert Funkwellen und verhindert dadurch, dass der RFID-Chip Signale senden oder empfangen kann.

Warum Aluminiumfolie tatsächlich funktionieren kann

Aluminium wirkt wie eine kleine Abschirmung gegen Funkwellen. Solange der Reisepass vollständig umhüllt ist, kann die Kommunikation des RFID-Chips mit einem Lesegerät erschwert oder verhindert werden.

Viele Datenschützer sehen darin einen zusätzlichen Schutz gegen theoretische Angriffe.

Die Folie soll dabei:

  • unbefugtes Scannen verhindern

  • die digitale Privatsphäre erhöhen

  • persönliche Daten während der Reise schützen

Besonders wenn sich der Reisepass längere Zeit in einer Tasche oder einem Rucksack befindet, fühlen sich viele Reisende mit dieser zusätzlichen Abschirmung sicherer.

Wie wahrscheinlich ist ein Datendiebstahl wirklich?

Die gute Nachricht lautet: Bis heute sind tatsächlich dokumentierte Fälle eines Datendiebstahls über den RFID-Chip von Reisepässen äußerst selten.

Experten weisen darauf hin, dass ein erfolgreicher Angriff nicht nur technische Kenntnisse, sondern auch spezielle Geräte und günstige Bedingungen voraussetzt.

Für den normalen Urlauber besteht daher nur ein sehr geringes Risiko.

Deutsche Reisepässe besitzen bereits umfangreiche Schutzmechanismen

Was viele nicht wissen: Moderne deutsche Reisepässe wurden genau für solche Szenarien entwickelt.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat mehrere Sicherheitsverfahren eingeführt, die das unbefugte Auslesen verhindern sollen.

PACE – moderner Zugriffsschutz

Das sogenannte Password Authenticated Connection Establishment (PACE) sorgt dafür, dass der RFID-Chip nicht einfach von außen angesprochen werden kann.

Erst wenn ein autorisiertes Lesegerät direkten Zugriff auf den Reisepass hat, wird eine verschlüsselte Verbindung aufgebaut.

Dadurch wird verhindert, dass Fremde den Chip unbemerkt auslesen.

Basic Access Control (BAC)

Ein weiteres Schutzverfahren ist die Basic Access Control (BAC).

Dabei muss zunächst die maschinenlesbare Zone (MRZ) auf der Datenseite des Reisepasses eingelesen werden.

Erst danach kann eine Verbindung zum RFID-Chip hergestellt werden.

Das bedeutet, dass ein Reisepass nicht einfach aus der Jackentasche oder dem Rucksack heraus ausgelesen werden kann.

Ist Aluminiumfolie also notwendig?

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht.

Wer einen deutschen biometrischen Reisepass besitzt, profitiert bereits von sehr hohen Sicherheitsstandards. Zusätzliche Aluminiumfolie ist deshalb grundsätzlich nicht erforderlich.

Wer sich jedoch mit einer zusätzlichen Abschirmung wohler fühlt, kann seinen Reisepass problemlos in Aluminiumfolie oder in einer speziell abgeschirmten RFID-Schutzhülle aufbewahren.

Beides schadet dem Reisepass nicht, solange der Pass nicht beschädigt oder geknickt wird.

Weitere Tipps für mehr Sicherheit auf Reisen

Neben dem Schutz des RFID-Chips gibt es zahlreiche Maßnahmen, die im Alltag deutlich wichtiger sind:

  • Bewahren Sie Ihren Reisepass möglichst sicher auf.

  • Lassen Sie Ihren Pass niemals unbeaufsichtigt liegen.

  • Fertigen Sie digitale und ausgedruckte Kopien Ihrer Reisedokumente an.

  • Speichern Sie Kopien zusätzlich in einer geschützten Cloud.

  • Nutzen Sie nur offizielle Grenzkontrollen und seriöse WLAN-Netzwerke.

  • Verwenden Sie starke Passwörter und aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung für wichtige Konten.

Fazit

Der Trend, Reisepässe in Aluminiumfolie einzuwickeln, basiert auf dem Wunsch nach mehr Datenschutz und digitaler Sicherheit. Zwar kann Aluminium Funkwellen abschirmen und den RFID-Chip theoretisch schützen, für Besitzer deutscher biometrischer Reisepässe ist diese zusätzliche Maßnahme jedoch meist nicht notwendig.

Dank moderner Sicherheitsverfahren wie PACE und Basic Access Control (BAC) verfügen deutsche ePässe bereits über einen wirksamen Schutz gegen unbefugtes Auslesen.

Wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann seinen Reisepass in einer RFID-Schutzhülle oder mit Aluminiumfolie aufbewahren. Viel wichtiger bleibt jedoch der sorgfältige Umgang mit dem Dokument selbst – denn ein verlorener Reisepass verursacht deutlich häufiger Probleme als ein theoretischer RFID-Angriff.

Unser Tipp: Informieren Sie sich vor jeder Reise über aktuelle Sicherheits- und Einreisebestimmungen. So starten Sie bestens vorbereitet und können Ihren Urlaub entspannt genießen.

Jana Hartelt
Jana Hartelt |Lehrmädchen
Jana ist Lehrling als Tourismuskauffrau für Privat und Geschäftsreisen und im 1. Lehrjahr
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